Das Problem der neuen Realitäten

Wer als Journalist in Russland für ein ausländisches Medium arbeitet, muss in der Lage sein, in zwei Welten zu leben. Denn das was die russische Regierung und die von ihr kontrollierten Medien verbreiten, ist diametral unterschiedlich zu den Erfahrungen, die Journalisten vor Ort machen. Im Medium-Magazin beschrieb jetzt Golineh Atari, die für die ARD in Moskau arbeitete, wie es ist, mit solchen Parallel-Realitäten umzugehen. Eines der größten Probleme: In Russland selbst gibt es nur diese eine Berichterstattung und zunehmend wird diese auch ins Ausland transportiert. Das hat zum Ergebnis, das auch hierzulande solche grundverschiedenen Darstellungen über die Situation in Russland erscheinen.

China hat eine lange Propaganda-Tradition

Neu ist das nicht: In China sind Korrespondenten schon seit langen gewohnt, das die staatlichen Propagandaorgan ihre eigene Agenda haben und die Verbreitung kontrollieren. In Myanmar haben Reuters-Journalisten, die lediglich einen kleinen Qadrokopter fliegen ließen, erfahren müssen, dass dies selbst eine Friedensnobelpreisträgerin stören kann, wenn es um die Vertuschung von einem Krieg gegen eine muslimische Minderheit geht. Im nahen Kambodscha hat ein regierungstreuer Bürger seinen eigenen Newskanal Freshnews gegründet, der vor allem über Facebook verbreitet wird. Dieser soziale Sender bekommt exklusive Regierungsinformationen, während eine der beiden englischsprachigen Tageszeitungen geschlossen werden musste – angeblich wegen Steuerproblemen. Die andere wurde ein Jahr später von den australischen Eigentümern schnell an einen dubiosen malaysischen Geschäftsmann verkauft.

Ein weiteres Problem der klassischen Medien ist Unterstellungen gegen sie. Ob der US-Präsident “Fake-News“ oder ein AfD-Politiker “Lügenpresse“ es wird den Medien einfach eine Agenda unterstellt, ohne dass es irgendwelche Beweise dafür geben muss.

Auch Journalisten, die sich weniger dem politischen Journalismus zurechnen, kämpfen mittlerweile gegen Fakenews. Ranga Yogeshwar tourt gerade durch die Republik und versucht den Menschen Hilfestellungen zu geben, wie man diese erkennt und überprüft. Sein wissenschaftsjournalistischer Hintergrund dürfte dabei helfen – selbst in der Wissenschaft hat man mit Leuten wie jenen, die behaupten die Erde sei eine Scheibe, zu kämpfen.

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