Das ironische Geständnis von Klaus Kleber

Der Chef des ZDF-heutejournals wollte es drauf ankommen lassen und provozierte Studenten in Heidelberg: Nach einem Bericht des Zeit-Magazins hatte der Journalist bei einer Veranstaltung den Studenten erklärt, man stimme sich natürlich bisweilen mit der Kanzlerin über die Berichterstattung ab und fahre die Kritik am türkischen Präsidenten auch mal zurück, wenn das politisch notwendig sei. Was in den 60er Jahren zu einer Revolte geführt hätte, war nicht mal ein Sturm im Wasserglas. Nicht mal ein Windhauch. Keiner protestierte. Es gab angeblich sogar Kopfnicken. Eigentlich hatte Kleber mit Ironie schocken wollen, jetzt war er selbst geschockt: Offenbar hatten seine Zuhörer kein Problem damit, dass der Staat Einfluss auf die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen nehme.

Zeit-Autor Bernhard Pörksen vermutet, dass die allgemeine Medienkritik vom rechten Rand in die Mitte der Gesellschaft gewandert sei. Auch wenn Umfragen noch zeigen, dass zwei Drittel der Bevölkerung den klassischen Print- und TV-Medien vertrauen, ist es doch immerhin ein Drittel, der dieses Vertrauen nicht mehr hat.

Vorwurf des Staatsfunks

Es scheint dabei gar nicht so sehr um Fehler zu gehen, die nun einmal gemacht werden. Es geht wie bei den meisten polarisierenden Debatten um politische Lagerkämpfe und die funktionieren immer nach dem selben Prinzip: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Da werden die ARD und das ZDF schon mal als Staatsfunk bezeichnet, weil ein Staatsvertrag ihre Grundlage bildet. Dass aber zum Beispiel der Fernsehrat des ZDF nicht nur Vertreter der Parteien, sondern auch vieler gesellschaftlicher Gruppen hat, wird dabei nicht erwähnt.

Das führt so weit, dass Journalisten der Fernsehsender mittlerweile bekannt gebe müssen, dass sie nicht vom Kanzleramt, einer Parteizentrale oder einer Landesregierung angerufen werden und man ihnen sage was sie schreiben oder senden sollen, wie Monitor und Redakteur Georg Restle unlängst betonte. Die Kritik kommt nicht allein von Rechtsaußen. Auch CDU- und CSU-Politiker unterstellen den Anstalten immer wieder politische Einflussnahme.

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