Alternative Tageszeitung

Im linken Spektrum gab es lange Zeit nur die als eher bürgerlich-links geltende Süddeutsche und die linke, aber sehr SPD nahe, Frankfurter Rundschau. Diese Lücke wollte die taz, die Tageszeitung, aus Berlin füllen. Ihr Klientel waren die klassischen Wähler der Grünen, aber auch die links-alternative Szene.

Sie wurde 1978 zunächst als ein Projekt ins Leben gerufen, dass sich auch dadurch auszeichnete, das man selbstverwaltet war. Das bedeutete, dass alle Angestellten Mitsprachrecht bei der taz hatten und auch Miteigentümer waren.

Treue Anzeigenkunden

Die taz hat heute einige Regionalausgaben und auch eine digitale Ausgabe, die in verschiedenen Formaten wie ePub und als iPad App gelesen werden kann. Zwar hat auch die taz an Auflage verloren, sie liegt aber immer noch bei über 50.000 Stück, was einem Rückgang von 13 Prozent gegenüber den besseren Jahren bedeutet – was ein wesentlich geringer Rückgang ist als bei den etablierten Tageszeitungen ist. Stabil sind vor allem die Anzeigen geblieben, die selten von den großen Unternehmen kommen, sondern von kleineren Firmen, die die taz aus ideellen Gründen unterstützen wollen und auch mal mehr als den normalen Anzeigenpreis bezahlen. Interessant ist auch, dass 75 Prozent der Abonnenten den Standardpreis oder freiwillig mehr bezahlen, obwohl es einen ermäßigten Tarif gibt.

Geringer Einheitslohn

Das Überleben sicherte die taz auch durch geringe Löhne, es gibt einen Einheitslohn für alle Mitarbeiter, nur manche Ressortleiter erhalten noch einen Zuschlag. Es werden weder Weihnachtsgeld- noch Urlaubsgeld bezahlt. Damit liegt die taz weit unter den normalen Gehältern für Journalisten. Dennoch arbeiten viele Redakteure gerne dort, auch weil die taz als Talentschmiede gesehen wird. Redakteure haben weitaus mehr Freiheiten in ihrer Berichterstattung als das in klassischen Medienhäusern der Fall ist.

Einer der Gründer der Zeitung war der Rechtsanwalt und Bundespolitiker Christian Ströbele, aber auch die spätere Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer hatte bei der taz als Druckerin gearbeitet. Reinhard Hesse, der später für Bundeskanzler Gerhard Schröder Reden schrieb, war ebenfalls einst Redakteur bei der Tageszeitung.